Der Hospizgedanke ist keinesfalls ein Kind der Gegenwart.
Er hat heute lediglich einen neuen tragenden Gedanken erhalten.
Schon im griechisch-römischen Altertum gab es Hospize für Gebrechliche.
In der Bibel verkörpert der barmherzige Samariter diesen Gedanken.
Zur Zeit der Kreuzzüge galten sie den verwundeten Kranken, aber auch den Sterbenden.
In den Zeiten der großen Seuchen waren hospizartige Einrichtungen in Form der Siechenhäuser,
also vor den Mauern der Städte, nur diesen Sterbenskranken vorbehalten. Auf den Höhen der
Alpenpässe etwa bieten sie auch heute noch Wanderern und Reisenden eine Herberge vor den
Unbilden der Natur und zum Ausruhen.
Wenn Prof. Dr. Paul Zulehner angesichts unserer derzeitigen Kultur des Sterbens geradezu von
einer Enthäuslichung derselben spricht, dann ist es ein Gebot der Stunde, nach Wegen zu suchen,
die es dem Menschen ermöglichen, wieder dort sterben zu dürfen, wo er gelebt hat.
Sterben daheim heißt letztendlich: dort, wo ich mein Leben mit anderen geteilt habe,
und dies nicht nur wegen der Sterbenden, sondern auch wegen der Über-Lebenden.
Dort aber, wo ein Sterben zu Hause in diesem Sinne nicht möglich ist, müssen
Voraussetzungen in jeder nur denkbaren Form geschaffen werden, die auch diesen
Sterbenden das Erlebnis einer letzten Heimat schenken: Kerninhalt der Hospizidee.
Nach ersten Bestrebungen vor etwa 100 Jahren in England kam der Krankenschwester,
Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely Saunders in London erstmals der Gedanke eines
Hospizangebotes für Sterbende, nachdem sie in den Krankenanstalten miterleben musste,
wie sehr oft dort auf inhumane Weise gestorben wurde. Nach etwa 20 Jahren dauernden
Bemühungen gründete sie 1967 das erste Hospiz auf europäischem Boden in London, das St.Christopher's
Hospice.
Im Jahre 1971 ging der Gedanke eines solchen Angebotes auf das Festland über durch den
Fernsehbericht von Reinhold Iblacker: ... noch 16 Tage.
Seitdem ist bei uns eine Bewegung in Gang gekommen, die wohl nicht mehr aufzuhalten ist.
Sie bezweckt einen anderen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer und darf niemals zum Ziel
haben, erneut absondernd mit sterbenden Menschen umzugehen.
Hierbei beruht die Verwirklichung dieser Idee in erster Linie auf dem Angebot ambulanter
Hausbetreuungsdienste in den Familien und Wohnungen der Sterbenden.
Zugleich soll aber vor allem anderen auch der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer in humaner
Weise in den Institutionen eingebracht werden, in denen in unserer Gesellschaft heute
vorwiegend gestorben wird: in Krankenhäusern und Kliniken, Alten- und Pflegeheimen.
Erst dann ist an die Errichtung stationärer Hospize zu denken, etwa für die immer größer
werdende Zahl von Alleinstehenden, aber auch für Sterbende, deren Betreuung aus vielerlei
Gründen zu Hause gar nicht möglich ist, letztlich aber auch für die Heranbildung und
Begleitung von Menschen, die sich ehren- oder hauptamtlich der Verwirklichung des
Hospizgedankens zur Verfügung stellen.
Nur so wird es möglich sein, dem Sterbenden die Geborgenheit zu vermitteln, um sein Leben
schmerz- und angstfrei, in sozialen Beziehungen und mit sich selbst annehmen zu können.
(Dr.med.Paul Becker, Ehrenvorstand der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand, Bingen/Rhn. - aus: IGSL)
Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind.
Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig,
und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben,
sondern auch bis zuletzt leben können (Cicely Saunders)
Hier setzt der Hospiz-Gedanke an:
Die Hospiz-Arbeit will mit freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen / Helfern
die Vereinsamung der unheilbar Schwerstkranken und Sterbenden aufbrechen, sie menschliche
Nähe spüren lassen und gleichzeitig den in den Familien und den Pflegeeinrichtungen sich
bis zur physischen und psychischen Erschöpfung um diese Menschen kümmernden Pflegenden ein
wenig Entlastung in ihrem aufopfernden Dienst durch einfache, aber notwendige Hilfeleistungen
geben.
Dabei ist die Hospiz-Arbeit keine Konkurrenz, kein kostenloser Ersatz für die kostenpflichtigen
Pflegeleistungen in den Krankenhäusern, den Pflegeheimen, den Sozialstationen, sondern eine
unaufdringliche, aber manchmal dringend notwendige Ergänzung.
Die Hospiz-Mitarbeiter setzen sich dafür ein, dass im Zusammenwirken aller in der Begleitung
Sterbender in ihrer letzten Lebensphase Tätigen (Pflegende, Angehörige, Mediziner, Geistliche)
das Sterben seine Würde erhält und behält und dass dem verbleibenden Leben nicht durch eine
manchmal seelenlose Apparatemedizin mehr Tage gegeben, sondern den verbleibenden Tagen mehr
sinnvolles und würdevolles Leben gegeben wird.
Hierzu gehört sicher auch, dass durch eine wirkungsvolle Palliativmedizin diese letzte Phase möglichst
schmerz- und angstfrei gehalten wird.
Zur Vorbereitung dieser letzten Lebensphase können die Regelung unerledigter persönlicher Anliegen,
die Festlegung der persönlichen Wünsche über die Behandlung in Phasen eingeschränkter bzw. fehlender
Entscheidungsfähigkeit (Patientenverfügung) und die Ausstellung einer Vertretungsvollmacht gehören
und für alle Beteiligten sehr hilfreich sein, wobei die Hospiz-Bewegung gerne Hilfestellung gibt.
Eine aktive Sterbehilfe (Euthanasie) hat darin allerdings unabdingbar keinen Platz.
Die unheilbar Schwersterkrankten und Sterbenden sollen in dieser wichtigen und oft abschließenden Phase
ihres Lebens verspüren, dass sie nicht allein sind, dass ihre Sorgen und Nöte von helfenden Menschen aufgenommen werden und
dass man ihnen im Rahmen des Möglichen letzte Wünsche zu erfüllen versucht.
Wer sich also wirksam und freiwillig in die Hospiz-Arbeit einbringen will, muss zunächst einmal
für sich selbst akzeptieren, dass das Sterben untrennbar mit dem Leben verbunden ist und muss sich
eingangs auch mit dem eigenen Leben und Sterben auseinandersetzen. Er/Sie wird nach sorgfältiger Vorbereitung
auf die sehr sensible Begleitungsarbeit und nach sehr gewissenhafter Selbstprüfung, diese schwere Aufgabe
erfüllen zu können und erfüllen zu wollen, von Fall zu Fall allein oder mit einem Partner in der Begleitung
eines Sterbenden eingesetzt und dabei auch selbst von psychologisch erfahrenen Personen begleitet und
unterstützt werden.
Die Begleitung erstreckt sich von einfachen helfenden Dienstleistungen über waches Dasein bis zu befreienden
und tröstenden Gesprächen mit dem Sterbenden, aber auch mit den dem Sterbenden nahestehenden Personen.
Die Dienstleistung kann nach dem Tod des Begleitenden noch eine Zeitlang in die Trauerbegleitung der
Hinterbliebenen einmünden.